26   Ein Besuch beim Wrack der „Pallas“

Eduard und Peter langweilen sich.
Es ist Mittag. Die Sonne scheint, kein Wind weht und das Wasser ist ganz ruhig.
Manchmal sehen sie eine Fähre kommen und wieder abfahren, sonst ist einfach nichts los.
Die Amrumer Dünen leuchten herüber. Dort ruhen sich die Möven aus.
Die Krebse hier haben sich alle eingebuddelt, kein Fisch ist zu sehen.  

Die beiden wollen sich gerade auch zum Schlafen zurückziehen, da kommt Ida angeschwommen.
„Was hängt ihr da rum? Lass uns etwas unternehmen! Ich dachte, wir besuchen mal das Wrack auf der Sandbank.“
Peter sagt ängstlich: „Das ist aber so weit weg, da können wir nicht hinkriechen.“
Eduard meint: „Vielleicht hat Ida eine Idee?“
Ida: „Kein Problem, ihr könnt auf meinen Rücken klettern und wir schwimmen zusammen dahin.“
Beide Wattwürmer sagen: „Das ist eine sehr gute Idee!“ und steigen auf Idas Rücken.

Mit der schnellen Schwimmerin Ida dauert es nicht lange und sie sind bei der Pallas. 
Vor ihnen taucht eine riesige, rostig braune Wand auf. Durch ein großes Loch schwimmt Ida in den Frachtraum.
Die Sonne scheint durch die große Luke  herein und beleuchtet die Vielfalt der Lebewesen in dieser geschützten Umgebung.
Da gibt es Seeanemonen, die sich wie Blüten im Wind wiegen.
Unter Blasentang wimmelt es von Krabben, die kleine Algen abweiden. Eins, Zwei und Drei sind auch da und grüßen herüber.

Ein Schatten gleitet über sie – ein Seehund untersucht den Raum nach Beute, findet aber nichts, da sich die Fische schnell im Kielraum versteckt haben.

Ida schwimmt mit den beiden Würmern weiter in einen dunklen Gang. Auf dem Boden liegt ein alter Gummistiefel.
Sie sehen hinein: da ist ja Schnapp! In dem doppelten Schutz von Schneckenhaus und Stiefel gönnt er sich einen Mittagsschlaf.

Sie schwimmen weiter. Links von ihnen eine halb offene Tür.
Neugierig biegen sie um die Ecke und sind in einer Kajüte, in denen mal zwei Matrosen geschlafen haben.
Durch das zerbrochene Bullauge fällt Licht in den Raum. Das Holz der Möbel ist ganz aufgequollen und voller Bohrmuscheln.
Die eisernen Wände sind voller dunkelbraunem Rost.
Die Matrazen in den Kojen haben lauter Löcher, aus denen ein paar Würmer und Krebse winken.
Auf dem Tisch liegt ein Becher und ein zerfleddertes Buch. Auf dem Becher sitzt eine Seeanemone und lauter kleine Seepocken.
Die Tischoberfläche ist mit einer dünnen Schlammschicht bedeckt.
Weil Eduard und Peter Hunger haben, machen sie sich über die Leckerein im Schlamm her. '
Mal was anderes als zu Hause und woanders schmeckt es sowieso immer am besten.

Ida erzählt den beiden Wattwürmern, was damals passiert ist, als die „Pallas“ brennend auf der Sandbank gestrandet ist.
Da gab es eine große Aufregung, denn das Schiff brannte noch tagelang.
Danach wurde lauter Sand in den Laderaum gefüllt, aber der wurde von der Brandung nach kurzer Zeit wieder herausgewaschen.
Die starken Arme der Nordsee, die Wellen, lassen sich durch ein bisschen Sand nicht aufhalten.
Sie wollen das Wrack in kleine Stücke schlagen.

Aber der Stahl der Pallas ist stark und stemmt sich dagegen. Er schützt die Welt im Wrack der Pallas noch lange Jahre.

Eduard und Peter sind nun müde und schwimmen auf Idas Rücken wieder nach Hause zu ihren Wohnröhren.
Ein großes Abenteuer liegt hinter ihnen.


© VAB           17.08.2019 # 03.2025
  Texte: Volkert Braren
  Aquarelle: Joachim Malecki - Zeichnungen: Marlie & Ove