27   Eduard und Peter kämpfen gegen ein Schleppnetz

"Eduard! Peter!" Emma die Möwe ist fürchterlich aufgeregt,"die Scholle Ida und ihre Verwandten sind in einem Schleppnetz gefangen! Wir müssen sie retten!"

Die beiden Wattwürmer sind gerade erst aufgewacht. Wenn bei Ebbe das Watt trocken liegt, haben sie es nicht so eilig mit dem Aufstehen.
Schließlich ist der Schlamm um die Eingänge ihrer Wohnungen dann viel zu trocken zum Ausschlürfen für ihr Frühstück.

Endlich begreifen sie aber, dass ihre Freundin in großer Gefahr ist und sind gleich sehr aufgeregt.

"Wo ist das Schleppnetz und wie können wir kleinen Wesen da helfen?" ruft Eduard.

Emma zeigt mit dem Flügel nach draussen auf die See: "Gleich neben dem Wrack der 'Pallas' dort drüben.
Das Netz hat sich da wohl verhakt und die Schleppleine ist abgerissen. Die Fischer haben es wohl nicht losgekommen und weggefahren.
Und nun sind Ida und ihre Verwandten unter dem Netz gefangen. Wer könnte wohl helfen? Wer ist stark genug?"

Peter überlegt : "Walfische sind riesig stark. Aber sie sind weit weg und können in dem flachen Wasser hier nicht schwimmen."
Eduard hat einen anderen Vorschlag: "Vielleicht können unsere Freunde, die Delphine, helfen. Zusammen sind die auch sehr stark. Emma, könntest du sie rufen?"

"Letzte Woche habe ich sie bei Cuxhafen getroffen. Da wollten sie nach Schottland schwimmen, um ihre Verwandten aus China zu treffen.
Es dauert zu lange, bis sie wieder hier sein können," sagt Emma.

Neben Eduard und Peter bewegt sich plötzlich der Wattboden und der Krebs Krabbel taucht aus dem Schlick auf.

"Ich habe euch zugehört und vielleicht habe ich eine Lösung, " sagt Schnapp, "wir Krebse sind sehr klein, aber wir sind viele!
Und unsere Verwandten, die Hummer, können sehr alt und groß werden und sehr stark. Leider leben die bei Helgoland."
Er klappert laut mit seinen Scheren und rundherum wühlen sich viele Krebse aus dem Wattschlick.

"Freunde und Verwandte! Scholle Ida und ihre Verwandten sind bei der 'Pallas' unter einem Schleppnetz gefangen.
Das ist aber auch eine schreckliche Erfindung der Menschen! Damit kratzen sie den Meeresboden auf, fangen alle Tiere weg und zerstören Muschelbänke und Algenwiesen.
Wir müssen helfen! Los, schnell rüber zur 'Pallas'!"

Da kribbelt es und krabbelt es und eine große Menge von Krebsen läuft über das Watt in Richtung des Schiffswracks und verschwindet im Wasser.

Krebse können sehr schnell laufen und schwimmen - das kennt ihr ja, wenn Ihr sie fangen wollt - und so sind sie schon nach zwanzig Minuten am Ziel.

Auf dem Grund liegt ein großes Netz aus grünen Kunstofftauen. Die Ränder sind mit Kugeln und Ketten beschwert und drücken das Netz auf den Boden.

Oh, die Meerestiere finden diese Dinger so schrecklich. Überall liegt dieser Müll auf dem Meeresboden zusammen mit anderem Kram, den die Menschen ins Meer geworfen haben.
Das einzige, was die Meeresbewohner davon gebrauchen können, sind Schiffe, Autos und Flugzeuge, die ins Wasser gefallen und dann auf den Boden gesunken sind.
Darauf und darin können Seeanemonen, Algen, Muscheln, Krebse und Fische wohnen und sind geschützt vor Feinden.
Sogar die kleinen Bakterien finden Nahrung und mampfen das Eisen und das Holz gemütlich auf. Aber Netze? Sind schlimm, Ärks!

Die Krebse haben es jetzt sehr eilig, denn die Schollen unter den Netz sind in großer Gefahr, sie werden auf den Boden gepresst und können nur schwer atmen.
Schnapp und die anderen nehmen sich jeder eine Netzmasche an den Rändern vor und bearbeiten die mit ihren scharfen Scheren.
Es geht nur sehr langsam, weil der Kunststoff so stabil ist, aber schließlich ist das Netz frei und Ida und die anderen Schollen können sich befreien.

Leider sind die Meeresböden bedeckt von unserem Müll und die Bewohner des Meeres leiden furchtbar darunter.
Diesmal hat die Rettung geklappt.
Schnapp sagt:" Seht ihr, auch kleine Wesen wie wir können große Dinge tun!"


© VAB           04.2018 # 05.03.2025
  Texte: Volkert Braren
  Aquarelle: Joachim Malecki - Zeichnungen: Marlie & Ove